 |
Der pädagogische Schwerpunkt in unserem Kindergarten ist die Geschlechtssensible Pädagogik. Durch Initiative der damaligen Frauenstadträtin Mag.a Renate Brauner wurde unser Projekt „1.GS-Kindergarten in Wien“ im September 1999 ins Leben gerufen. Die Projektleitung dieses innovativen Vorhabens übernahm Fr. Orner Daniela, die bis Dezember 2002 die Kindertagesheimleitung innehatte. Im Jänner 2003 übernahm Maja Buch die Kindertagesheimleitung in dem Bestreben, das Projekt der Geschlechtssensiblen Pädagogik so weit wie möglich weiterzuführen.
Grundlagen der Geschlechtssensiblen Pädagogik:
Geschlechtssensible Pädagogik basiert auf der Kenntnis, dass das Geschlecht eines Menschen Einfluss auf die Lerngeschichte hat und die Ausbildung von Fähigkeiten und Fertigkeiten beeinflusst. Kinder lernen von Geburt an, ihrer Geschlechterrolle zu entsprechen. Daher sind wir bestrebt, bei Buben und Mädchen zu beobachten, inwiefern sie bereits in Hinblick auf gesellschaftliche Rollenvorstellungen sozialisiert sind.
Unsere Ziele:
Wir wollen bewusst die Handlungsspielräume der Mädchen und Buben erweitern und dadurch wirkliche Chancengleichheit schaffen (in Hinblick auf Fähigkeiten und Fertigkeiten, Berufswahl, PartnerInnenschaft, Kindererziehung..). Wenn Kinder bestimmte geschlechtsuntypischen Vorkenntnisse nicht schon früh spielerisch sammeln, ist es für sie als Erwachsene oft schwierig, Alternativen zu einer vorgegebenen Rolle zu finden, selbst, wenn sie dies wollen.
Wir wollen den Kindern auch neue und v.a. zum gängigen Rollenstereotyp alternierende Möglichkeiten bieten. So können Sie ihr Leben eher nach ihren persönlichen Vorlieben und Talenten gestalten, anstatt weitgehend den gesellschaftlich vorgegebenen Modellen von Männern und Frauen zu folgen. Dies bedeutet, dass sie aus einer größeren Vielfalt von Möglichkeiten wählen können, weil sie über mehr Fertigkeiten und über ein offeneres Bild von Männern und Frauen verfügen.
Unser Ziel ist allerdings nicht die Gleichmacherei, wir wollen nicht Buben verweiblichen und Mädchen vermännlichen. Für uns steht die Individualität des jeweiligen Kindes im Vordergrund. Dies bedeutet vor allem, dass wir versuchen Einschränkungen des Denkens oder des Handelns, die rein das Geschlecht des Kindes betreffen, zu vermeiden.
Raum
Wir gestalten offene Spielbereiche (statt z.B. Puppen- und Bauecken), um eine Vorherbestimmtheit zu vermeiden (Mädchen und Buben definieren oft sehr schnell, welcher Bereich welchem Geschlecht „gehört“). So ist kein Eindringen in Mädchen- oder Bubendomänen notwendig und die Kombination verschiedener Spiele (z.B. Bausteine mit Puppenutensilien) wird erleichtert.
Personal
Unser Personal wird schrittweise und regelmäßig auf das Thema der geschlechtssensiblen Pädagogik sensibilisiert. Unser Bestreben ist, dass Männer und Frauen gemeinsam im Team arbeiten, es wird versucht, jede Gruppe mit einem Mann und einer Frau zu besetzen.
So ergeben sich unterschiedliche Rollenvorbilder beider Geschlechter für Kinder; Männer sind nicht alle gleich, Frauen sind ebenfalls verschieden. Wichtig ist auch, dass Kinder erleben, dass auch Männer für Kindererziehung und hauswirtschaftliche Tätigkeiten gerne zuständig sind und so positive Vorbilder in diesen Bereichen sein können. Ebenso erleben Kinder, dass Männer und Frauen in unterschiedlichen hierarchischen Positionen und Tätigkeitsbereichen arbeiten.
Planung/Reflexion
Das Personal plant bewusst Projekte und Angebote, die helfen, Geschlechtsrollenbilder zu hinterfragen und Alternativen anzubieten. Immer wieder wird auch Bildungsgut überarbeitet und es gibt gezielte Angebote für Mädchen und Buben.
Elternarbeit
Auch Väter sind Eltern – wir wollen bewusst ein Klima schaffen, in dem sich auch Väter wohlfühlen und Verantwortung übernehmen können und Mütter andererseits entlastet werden. Bei uns sind Väter in der Eingewöhnung, bei Elternabenden, zur Begleitung bei Ausflügen usw. herzlich willkommen.
Bei uns gibt es besondere Förderung für...
Mädchen:
- geschlechtergerechter Sprachgebrauch (direkt ansprechen, Verwendung der weiblichen Formen)
- Ermutigung, sich den Platz zu nehmen, den sie brauchen und der ihnen zusteht (Bsp. Schutzräume schaffen, Quotenregelung, Mädchenvormittag..)
- Ermutigung, Wünsche, Bedürfnisse und Abneigungen zu artikulieren („Nein, geh weg, ich mag das nicht, ich kann das alleine..“)
- offensiv auf etwas zugehen (Fußballspielen, Fangen, Turm bauen..)
- sich wehren und verteidigen (zwicken in der Krippe, verdrängen vom Platz in der Garderobe, wegnehmen der Autos..)
- schreien und auf sich aufmerksam machen können
- Technik, Werken, Computer
- ...
Buben:
- positive Körperwahrnehmung (Massage, Kosmetikkorb -eigenen Körper pflegen und achten, schön sein, Anbieten von männlichem und weiblichem Verkleidungsmaterial -in andere Rollen schlüpfen), fürsorgliche und behutsame Interaktion mit anderen Kindern aufnehmen ..)
- positive Besetzung von Schlüpfen in „weibliche“ Rollen (Prinzessinnenkleid, Nägel lackieren..)
- Unterstützung beim Ertragen von Frustration, Verlieren, beim Warten und Zurückstecken eigener Bedürfnisse, Hilfsbedürftigkeit zugeben können, Umgehen damit, dass Mädchen Paroli bieten
- Konflikte begleiten (Alternativen zu Schreien, Toben, Hinhauen anbieten)
- Erlernen von Umgang mit Puppen (positiver Begriff: Puppenvater)
- Erlernen von hauswirtschaftlichen Tätigkeiten (positiver Begriff: Hausmann)
- Bildungsgut (Rollenaufteilungen beachten und ändern, kritisch hinterfragen, Alternativen anbieten)
- ...
Es ist uns natürlich ein Anliegen, festzustellen, dass Mädchen nicht alle gleich sind und Buben auch alle verschieden sind. Wir versuchen nur, Einschränkungen, die einzelne Kinder aufgrund ihres Geschlechtes erfahren (bewusst oder unbewusst) zu erkennen und gemeinsam mit den Kindern so aufzuarbeiten, dass Kinder mögliche Defizite zu erweiterten Kompetenzen umändern können.
Broschüren zum Thema "geschlechtssensible Pädagogik" bestellen (wien.at)
|